Donnerstag, 18. August 2011

Veggie Street Day 2011 - oder: "True Animal Lover"

Ich gebe zu - als wir am Samstag Morgen zu unserer Autofahrt von Mainz nach Dortmund aufbrechen, würde ich mich am liebsten wieder ins Bett legen. Lange Autofahrten sind mir ein Greuel, und außerdem wird das Wetter doch eh nicht mitspielen, auf diesem Veggie Street Day in Dortmund.

Auf der Autobahn taucht plötzlich ein Tiertransport vor uns auf. Wir haben den Geruch schon einige Zeit vorher wahrgenommen, und jetzt fährt der schwere graue Wagen langsam und so unschuldig durch die Baustelle, so als würde er Kinderspielzeug befördern. Als wir überholen, sehe ich rosafarbene Haut, schnüffelnde runde Nasen, kleine Augen durch die Gitterstäbe. Schweine. Auf dem Heck des LKWs prangt ein Aufkleber. Rind, Schwein und Huhn, sich fröhlich umarmend, hat ein Zeichner darauf verewigt. Darunter steht: "Vorsicht, lebende Tiere". Ich habe einen Kloß im Hals. Und weiß plötzlich wieder ganz genau, warum ich zum Veggie Street Day will.

Gegen halb zwölf betreten wir den Reinoldikirchplatz. Entlang der Kirche reihen sie sich aneinander, Stand neben Stand, ein veganes Paradies. Wir steuern zuerst die Kochbar an und stärken uns. Abgesehen davon, dass mir gleich eins der überaus leckeren Falafelbällchen aus dem Pitabrot in den Dreck fällt, und es auch noch anfängt zu regnen, ist das ein gelungener und köstlicher Einstieg in den Tag.

Wir nutzen es aus, dass noch nicht ganz so viele Menschen unterwegs sind, und schlendern über den Markt. Gewinnspiel bei der Veganen Gesellschaft Österreich, Stöbern beim Bekleidungssyndikat (Kleidung, fair produziert, z.T. auch bio, recycled und vegan), Informieren bei PETA2 und Sea Shepherd. Auch die Tierschutzstiftung Hof Butenland ist da; wobei es zu diesem Zeitpunkt schon langsam voller wird und ich Mühe habe, zum Stand vorzudringen. Ich schaue noch kurz bei der Veganen Gesellschaft Deutschland vorbei, und dann machen wir uns auf ins Cakes 'n' Treats, Dortmunds veganem Café mit angeschlossenem veganem Supermarkt, dem Vegilicous.

Erwartungsgemäß ist das Cakes 'n' Treats ziemlich gut besucht, aber wir ergattern einen Platz. Wenig später können wir bei zwei Latte Macchiato und einer Waffel mit Kirschen und Sahne durchatmen. Bei diesen Köstlichkeiten vergesse ich für einen Augenblick, dass es sonst in Cafés schon schwierig ist, überhaupt einen Kaffee mit Sojamilch zu bekommen. An Tagen wie diesen scheint der Traum einer Welt, in der "vegan sein" nicht mehr mit "verrückt sein" gleichgesetzt wird, zum Greifen nah.

Als wir zum Veggie Street Day zurückkehren, scheint die Sonne, und ich traue meinen Augen kaum. Der Platz ist so überfüllt, dass man sich durch die Menge schieben muss. Vor den Essensständen sind lange Schlangen, und die Bierbänke vor der Bühne sind auch gut besetzt. Fast könnte ich in die Luft springen (wenn es dazu nicht zu voll wäre).

Nachdem wir unser Geld bisher hauptsächlich für unsere Mägen und Gaumen ausgegeben haben, habe ich das Bedürfnis, etwas zu kaufen, das ein bisschen langlebiger ist. Bei Greenality schiebe ich ungefähr eine Dreiviertelstunde lauter hübsche Shirts und Tops auf der Kleiderstange hin und her, bis ich mich endlich für eines entscheiden kann. Und weil es so viel Spaß macht, fair produzierte und vegane Ökomode zu kaufen, erstehe ich gleich bei Veglay ein Zweites, das den Schriftzug "True Animal Lover" trägt.

Als wir gehen bleibt ein gutes Gefühl zurück. Es ist bewegend zu sehen wieviele Menschen sich für die Rechte derer stark machen, die nicht stark genug sind. Und es werden immer mehr. Alle treten für eine Sache ein, die größer ist als sie, die sie aus der Ich-Perspektive heraushebt und ihnen klar macht, dass alle Lebewesen auf dieser Welt gleich wertvoll sind. Warum können nicht alle Menschen eine große vegane Familie sein? Es würde die Welt so viel besser machen.

Apropos Familie: Zu dieser meiner fahren wir jetzt, nach einem aufregenden Tag, der wieder ein bisschen Hoffung gemacht hat. Und das Schöne ist: Wenigstens meine Familie ist schon eine vegetarisch-vegane Familie! :-)


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